26.08.2011 - Beginn unserer Farewell-Tour

Es ist soweit: die Arbeit ist vorbei, die Wohnung ist geräumt, die Praxis umgezogen, das ganze Zeug ist bei den Schwiegereltern eingelagert und an meinem Schlüsselanhänger hängen jetzt nur noch zwei Schlüssel: die Fahrradschlösser für meine beiden Bikes.
Wir haben die letzten Wochen geschuftet wie die Ameisen, erst war das Volleyball-Camp für die Kids, das ich als Trainerin und Wolfgang ja als Essensversorger mit betreut haben (und woran mein Herz einfach sehr hängt), direkt nach dem Camp haben dann Tobi, unser Trauzeuge, und Dea geheiratet (war eine super Party).
Dann ging es los mit Umzug: In Kartons packen, darüber nachdenken, ob wir das wirklich noch brauchen, wegschmeiße, Sperrmüll wegfahren und noch mehr einpacken und entsorgen.
Am Dienstag kam dann Mama mit dem Anhänger vorbei, die ganzen großen Teile transportieren. Ohne sie hätten wir wahrscheinlich noch ewig herum getan, ich habe wieder mal festgestellt, dass es mir einfach schwerfällt, die Dinge zum Abschluss zu bringen.
"Ach, das Teil hab ich da und da gebraucht... (Träum)..."
Wir haben uns extra nicht von Freunden helfen lassen, damit wir in Ruhe abschließen können, alles ordentlich sortieren und auch emotional abschließen können.
Dass es dann aber irgendwann wirklich soweit ist, hätten wir nicht gedacht. Vor allem ich hatte dann mittendrin meine ordentlichen "Heul-Flashes", denn die Zeit in der WG war einfach so schön, wir sind als WG so gut zusammengewachsen und hatten einfach eine tolle Zeit miteinander.
Das bisher schönste WG-Leben aufgeben, das ich je hatte, fällt mir schon sehr schwer. Dann kommt da natürlich noch dazu, dass wir jetzt "Reisende" sind. Nomaden...
Das Schöne an einem solchen "Umzug" ist allerdings das Entrümpeln. Mit welchem Genuss ich das Zeug zur Mülldeponie gefahren habe, es aus dem Auto gehieft und dann auf den Haufen geschleudert habe! Wie befreiend! So viel Müll und Scheiß, den man die ganze Zeit mit sich herumschleppt!
Vor kurzem hab ich beim Warten an der Leonhardsquelle einen Kerl kennengelernt, der zum Thema "Besitz und Loslassen" den tollen Spruch gebracht hat: "Alles was man hat, das hat einen irgendwann!"
Interessant, dass ich - seit ich mit der Arbeit aufgehört habe - keine Existenzängste mehr habe, sondern in mir das tiefe Gefühl der Freiheit aufgetaucht ist. "Alles wird gut!" Ich mache mir keine Sorgen mehr, wie es mit dem Geld klappen könnte, im Gegenteil: Am liebsten hätte ich mich von all unserem Besitz getrennt, so befreiend fühlt es sich an, sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können!

Raus aus diesem Hamsterrad, in dem sich alles nur darum dreht, genügend Geld für die laufenden Kosten aufzutreiben!
Nur um dann bei einer Ausmist-Aktion festzustellen, dass man doch eh schon viel zu viel besitzt, dass es schon fast erdrückend ist.

Das einzige auf der Welt, das unbezahlbar ist, ist Zeit! Zeit mit seinen Lieben zu verbringen. Dafür lieber auf den ganzen Tand verzichten, aber es fällt so lange schwer, bis man es tatsächlich macht.
Krass.

Ja und jetzt sind wir gerade unterwegs nach Hamburg. wir haben eine große Verabschiedungstour geplant, auf der wir die Zeit nutzen, nochmal alle zu treffen, bevor wir ein Jahr (oder wie lang auch immer) weg sind.
Außerdem kann man diese Gelegenheit auch gleich nutzen, um die zu besuchen, bei denen wir schon ewig gesagt haben: "Hey, wir besuchen euch irgendwann!" Na, bevor das irgendwann ein nirgendwann wird, machen wir es doch lieber jetzt gleich.
Also geht es von Rosenheim ab nach Hamburg, unserer ersten Station bei der Groß-Tante von Wolfgang, danach weiter nach Lüneburg, Leipzig, Nürnberg, Landshut, Mühldorf, nochmal nach Rosenheim, weiter an den Bodensee und zurück über Augsburg.
Dann haben wir viele unserer Freunde und Verwandten nochmal gesehen, bevor es losgeht.

Eigentlich geht es ja auch schon seit Wochen los. Mein Arbeitskollege hatte mich mal schräg von der Seite angeschaut und gemeint: "Du kannst Australien auch nicht erwarten."
Aber ganz ehrlich, das stimmt gar nicht: "Natürlich freue ich mich drauf, aber weißt du was: Vorfreude ist die schönste Freude! Jetzt wo unsere Reise schon so nah ist, ist alles Australien! Die Luft riecht sogar schon danach, alles ist viel schöner, seit ich mich darauf freuen kann!"
Insofern finde ich es gar nicht schlimm noch warten zu müssen, denn die Zeit bis dahin ist einfach so schön!

Ich nehme alles so bewusst wahr, vorgestern waren Wolfgang und ich noch in der Nacht am Simsee beim Baden. Es war einfach so wunderschön! Die Sterne, das warme Wasser!
Und witzigerweise denke ich mir da ja schon: "Jetzt genieße nochmal das nachts Baden, nichts kann dich hier fressen oder vergiften, hier kannst du ganz unbekümmert baden!" Na - schließlich werde ich mich da in Australien hüten, einfach mal so zum Planschen zu gehen.
Oder auch gestern, als ich mit dem Bike nachts noch heim musste. Erst hab ich mich gestresst und hab ordentlich in die Pedale getreten, aber irgendwann hab ich mich dann gefragt: "Hey, wozu der Stress! Nimm dir doch einfach Zeit und genieß den Himmel! So wirst du ihn für eine lange Zeit nicht mehr sehen!" Ach, wie war die Fahrt duch die Nacht schön!
Schon für diese Erfahrung, wieviel bewusster ich unser schönes chiemgau im letzten halben Jahr wahrgenommen habe - und ich weiß jetzt wirklich, was für eine schöne Heimat ich verlasse! - schon allein dafür ist Australien eine super Sache.
Jetzt kann ich mich auch wieder darauf freuen, wieder zurück zu kommen, weil es hier auch schön ist.

Aber jetzt sehen wir auch noch was von ganz Deutschland und können auch diese Erinnerung mitnehmen. Auf der Autobahn beobachten wir die ganzen Wohnmobile und überlegen, welches davon uns wohl gefallen würde, welches praktisch wäre.
Heite Nacht hab ich sogar von einem Wohnanhänger geträumt. Es ist einfach schön, sich vorzustellen, ein Jahr in einem Wohnmobil, draußen, an der frischen Luft.